Freitag, 23. Juni 2017

Das Herz Gottes lodert vor Mitleid!

Herz-Jesu Statue, Pfarrkirche Heiligenkreuz



In der Antiphon zum Magnifikat werden wir gleich singen: „Der Herr hat uns in sein Herz aufgenommen - Suscepit nos Dominus in sinum et cor suum". Im Alten Testament ist 26 Mal vom Herzen Gottes die Rede, das als Organ seines Willens verstanden wird: nach dem Herzen Gottes wird der Mensch beurteilt. Aufgrund der Schmerzen, die Sein Herz wegen der Sünden der Menschen empfindet, schickt Gott die Sintflut, doch dann rührt ihn die Schwäche des Menschen und er verzeiht ihm. Es gibt dann einen alttestamentarischen Abschnitt, in dem das Thema des Herzens Gottes in ganz deutlicher Weise Ausdruck findet: im Kapitel 11 des Buches des Propheten Hosea, wo die ersten Verse die Dimension der Liebe beschreiben, mit der sich der Herr zu Beginn seiner Geschichte an Israel gewandt hat: „Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb, ich rief meinen Sohn aus Ägypten" (V. 1). In Wirklichkeit antwortet Israel mit Gleichgültigkeit und sogar mit Undankbarkeit auf die unermüdliche Liebe Gottes. „Je mehr ich sie rief - ist der Herr gezwungen festzustellen - desto mehr liefen sie von mir weg" (V. 2). Dennoch überlässt Er Israel nie den Händen der Feinde, denn, so bemerkt der Schöpfer des Universums: „Mein Herz wendet sich gegen mich, mein Mitleid lodert auf" (V. 8).

Das Herz Gottes lodert vor Mitleid! Am heutigen Fest des Heiligsten Herzens Jesu lädt die Kirche uns dazu ein, über dieses Geheimnis nachzudenken, das Geheimnis des Herzens eines Gottes, der Mitleid empfindet und seine ganze Liebe über die Menschheit ausgießt. Eine geheimnisvolle Liebe, die uns in den Texten des Neuen Testaments als unermessliche Leidenschaft Gottes für den Menschen offenbart wird. Er gibt weder angesichts der Gleichgültigkeit noch angesichts der Ablehnung des Volkes auf, das er sich erwählt hat; vielmehr sendet er aus unendlicher Barmherzigkeit seinen eingeborenen Sohn in die Welt, damit er das Schicksal der zerstörten Liebe auf sich nehme; damit er durch den Sieg über die Macht des Bösen und des Todes den Menschen, die zu Sklaven der Sünde geworden sind, die Würde der Kindschaft wiedergeben könne. All dies hat einen hohen Preis: der eingeborene Sohn des Vaters opfert sich am Kreuz: „Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung" (Joh 13, 1). Zeichen dieser Liebe, die über den Tod hinausgeht, ist seine von einer Lanze durchbohrte Seite. Dazu berichtet der Apostel Johannes als Augenzeuge: „Einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus" (Joh 19, 34). (….)

Liebe Brüder und Schwestern, halten wir gemeinsam inne, um das durchbohrte Herz des Gekreuzigten zu betrachten. Wir haben es gerade in der kurzen Lesung aus dem Brief des heiligen Paulus an die Epheser noch einmal gehört: „Gott aber, der voll Erbarmen ist, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht. ... Er hat uns mit Christus Jesus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben" (Eph 2, 4-6). Im Herzen Jesu kommt der wesentliche Kern des Christentums zum Ausdruck; in Christus ist uns die ganze revolutionäre Neuheit des Evangeliums offenbart und geschenkt worden: die Liebe, die uns erlöst und uns bereits in der Ewigkeit Gottes leben lässt. Der Evangelist Johannes schreibt: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat" (3, 16). Sein göttliches Herz ruft also unser Herz; es lädt uns dazu ein, aus uns selbst hinauszugehen, unsere menschlichen Sicherheiten aufzugeben, um uns Ihm anzuvertrauen und uns selbst, seinem Beispiel folgend, in vorbehaltloser Liebe zu verschenken.
(aus der Predigt von Papst Benedikt XVI. zur Eröffnung des Priesterjahres am 19. Juni 2009)



Pfarrkirche Heiligenkreuz

Donnerstag, 22. Juni 2017

Der Preis der Wahrheit

Thomas Morus und John Fisher stellen sich gegen die Scheidung und Wiederverheiratung von Heinrich VIII. und verweigern den Eid auf die neue Verfassung, mit der sich der König zum neuen Oberhaupt der englischen Kirche machte:

John Fisher lehnt es ab, den Eid zu leisten


John Fisher, Bischof, Kardinal und Märtyrer. John Fisher wurde um 1469 zu Beverley in Yorkshire geboren, nach dem Studium zu Cambridge wurde er Priester und 1504 Bischof von Rochester. Fisher wirkte in hervorragender Weise als Prediger, Seelsorger und Helfer der Armen. Er verband die scholastische Theologie mit der Begeisterung des Humanismus für das Schrift- und Väterstudium. So berief er zur Reform der Universität Cambridge Erasmus von Rotterdam nach England. Fisher verfasste auch mehrere in Inhalt und Form hervorragende Schriften gegen Martin Luther. Als Beichtvater Katharinas von Aragon, der Ehefrau Heinrichs VIII., erhob er 1527 Einspruch gegen die Ehescheidung, die der König durchsetzte, um die Kammerzofe Anne Boleyn zu heiraten. Als sich Fisher 1534 gemeinsam mit dem Lordkanzler Thomas More weigerte, den Suprematseid zu leisten, wurde er im Tower von London eingekerkert. Papst Paul III. erhob Bischof John Fisher 1535 zum Kardinal, konnte damit jedoch nicht verhindern, dass Heinrich VIII. ihn am 22. Juni 1535 zu London enthaupten ließ. John Fisher wird mit Kardinalshut und Märtyrerpalme dargestellt.
(Martyrologium Sancrucense)


Thomas More verweigert König Heinrich VIII. den Treueeid



Thomas Morus, Lordkanzler und Märtyrer. Der heilige Thomas Morus wurde am 7. Februar 1478 zu London geboren, studierte zu Oxford Rechtswissenschaft und widmete sich humanistischen Studien. Dem Erasmus von Rotterdam war er in Freundschaft verbunden. Nach weiteren Studien in Löwen und Paris trat er in den Dienst König Heinrichs VIII. und wurde dessen enger Vertrauter. Thomas Morus beriet den König bei der Abfassung einer Schrift „Gegen die Irrlehren Luthers“, die Heinrich VIII. den päpstlichen Ehrentitel „Defensor fidei“ einbrachten. Morus verfasste selbst zahlreiche Schriften voll Geistesschärfe, Mut, Frömmigkeit und Humor. Seine große Liebe zur Kirche verschloss ihm aber nicht die Augen vor Missbräuchen und Aberglauben. Mit seiner Frau und seinen Kindern führte er ein glückliches Familienleben. 1529 ernannte Heinrich VIII. Thomas Morus zum Lordkanzler, doch legte dieser 1532 sein Amt nieder, da er die antirömische Kirchenpolitik des Königs nicht unterstützen konnte. Als Morus 1534 den Eid nicht leisten wollte, der die Oberherrschaft des Königs über die englische Kirche anerkannte, zog er sich endgültig den Hass des Königs zu. Thomas Morus wurde enteignet, dann im Tower eingekerkert und trotz glänzender Verteidigung wegen Hochverrats zum Tod verurteilt. Am 6. Juli 1535 ließ ihn der König enthaupten.
Die Seligsprechung erfolgte 1886, die Heiligsprechung durch Papst Pius XI. erfolgte 1935 gemeinsam mit John Fisher.
Im Oktober 2000 ernannte Papst Johannes Paul II. Thomas Morus zum Patron der Regierenden und der Politiker.

Thomas More und John Fisher verweigern den Suprematseid
Our Lady and the English Martyrs Church, Cambridge



Besonders rufe ich die Gestalt des heiligen Thomas More in Erinnerung, des großen englischen Gelehrten und Staatsmanns, der von Gläubigen wie von Nichtglaubenden wegen seiner Rechtschaffenheit bewundert wird, mit der er seinem Gewissen folgte, selbst um des Preises willen, daß es dem Herrscher mißfiel, dessen „treuer Diener“ er war; denn er wollte an erster Stelle Gott dienen. Das Dilemma, vor dem Thomas More in diesen schwierigen Zeiten stand, diese stets aktuelle Frage nach dem Verhältnis zwischen dem, was dem Kaiser gebührt, und dem, was Gott gebührt, bietet mir die Gelegenheit, mit Ihnen kurz über den der Religion im politischen Leben zukommenden Platz nachzudenken.
( Benedikt XVI am 17.9.2010 in der Westminster Hall, ganzer Text)

Mittwoch, 21. Juni 2017

Aloisius von Gonzaga

Aloisius von Gonzaga, Farm Street Church, London

Aloisius (Luigi) wurde 1568 als ältester Sohn des Markgrafen von Gonzaga in Castiglione bei Mantua geboren. Er lernte früh, sein heftiges Temperament zu beherrschen, und fiel als Page am florentinischen Hof und später am Hof Philipps II. in Madrid durch seinen Lebensernst und seine Frömmigkeit auf. Mit siebzehn Jahren erhielt er von seinem Vater nach hartem Ringen die Erlaubnis, in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Bei einer Pestepidemie in Rom stecke er sich an, da er sich ohne Schonung und ohne Vorsicht der Pflege der Kranken widmete, und starb drei Monate später (1591). Er wurde 1726 heilig gesprochen, 1729 zum Patron der studierenden Jugend erklärt. Die Lebensbeschreibungen des Heiligen haben seine männlich-herbe Gestalt oft verzeichnet.
(Erzabtei Beuron)


links Kapelle des hl. Herzens, rechts Aloysiuskapelle, Farm Street Church

Altar des hl. Aloysius, Farm Street Church


Nachdem er sich die anstreckende Krankheit zugezogen hatte, schrieb er in einem Brief an seine Mutter:
"Vor einem Monat stand ich im Begriff, von Gott die größte Gnade zu empfangen, die ich erhalten könnte, nämlich in Seiner Gnade zu sterben. Aber es hat dem Herrn gefallen, den Tod aufzuschieben und mir dafür ein andauerndes Fieber zu schicken, unter dem ich immer noch leide. Die Ärzte, die nicht wissen, wie es ausgeht, versuchen alles für die Gesundheit des Leibes zu tun. Für mich ist aber wichtiger, daran zu denken, daß Gott, unser Herr, mir eine bessere Gesundheit geben möge, als die Ärzte bewirken können; und so bin ich eigentlich froh, da ich hoffe, daß ich in wenigen Monaten von Gott, unserem Herrn, aus dem Land der Toten in das Reich des Lebendigen gerufen werde..."
(P. Manns, Die Heiligen in ihrer Zeit, II., 233)



Da aß der Mensch das Brot der Engel (Vgl Psalm 78,35 vulg)

zeigt möglicherweise, wie der Aloysius im Alter von 12 von Karl Borromäus
die erste heilige Kommunion empfängt



Familienwappen von Gonzaga

Dienstag, 20. Juni 2017

Alban von England


Alban von England, der erste Märtyrer Englands im 3. Jahrhundert. Alban nahm in der Christenverfolgung Diokletians einen fliehenden Priester bei sich auf. Durch ihn lernte er das Christentum kennen und wurde selbst Christ. Alban opferte daraufhin sein Leben, um seinen Gastfreund zu retten: Als die kaiserlichen Soldaten sein Haus durchsuchten, zog Alban die Kleider des Priesters an, um sich statt diesem auszuliefern. So berichtet Beda Venerabilis in seiner Angelsächsischen Kirchengeschichte. Alban wurde 303 in Verulam (das heutige St Albans) vermutlich am 22. Juni hingerichtet, an der Stätte seines Martyriums entstand die Abtei Saint Albans. Sein Gedenktag ist der 22. Juni, in England wird des Heiligen heute gedacht.
(vgl. Martyrologium Sancrucense)


Schrein des hl. Alban in der St Alban´s Cathedral, St Alban

links Johannes der Täufer, rechts der Erzmärtyrer Stephanus




Allmächtiger Gott, wir danken Dir für diese Stätte,
erbaut zu Deiner Ehre
und zum Gedächtnis an Alban,
den ersten Märtyrer.
Nach seinem Vorbild in der Gemeinschaft der Heiligen
gib uns die Gnade,
treue Zeugen Christi zu sein,
dass wir den wahren und lebendigen Gott anbeten und verehren,
der lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

einzige verbliebene mittelalterliche "Watching Loft" aus Holz, zur Überwachung des Schreines von St Alban



Watching Loft aus dem 14. Jh., St Alban´s Cathedral



Maria mit Kind, St Alban´s Cathedral


Ikone des hl. Alban
"Beda überliefert außerdem einige Legenden, die sich um Albans Hinrichtung ranken: Auf dem Weg zur Hinrichtung musste Alban einen Fluss überqueren. Da aber die Brücke voller Menschen stand, soll er dem Wasser des Flusses befohlen haben, sich zu teilen, woraufhin er trockenen Fußes zum anderen Ufer gelangte. Der Henker sei so von Albans Glauben beeindruckt worden, dass dieser auf der Stelle ebenfalls zum Christentum übertrat und sich weigerte ihn zu töten. Ein weiterer Henker wurde beauftragt. Diesem sollen nach der Hinrichtung die Augen aus dem Kopf gefallen sein. Der erste Henker wurde ebenfalls hingerichtet und wurde somit zum zweiten Märtyrer Britanniens."
(Quelle)







Blick in die Marienkapelle der St Albans Cathedral


Enthauptung des hl. Alban, St Albans Cathedral




St Alban´s Cathedral
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...