Montag, 22. Mai 2017

Am Grab der hl. Rita von Cascia, Helferin in aussichtslosen Anliegen

Fresko der hl. Rita, S. Francesco, Cascia

In der Unterstadt von Cascia steht die große, einst so bedeutende romanische Kirche San Francesco. Viele Jahre war dieses Gotteshaus der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Kirche befand sich in einem baufälligen Zustand, und daher wurden dort auch keine Gottesdienste mehr gefeiert. So ahnten weder die Pilger noch die Touristen, welch kostbaren Schatz diese Kirche in sich birgt. 1988 wurde das Gotteshaus einer gründlichen Restauration unterzogen. Und so finden die Rita-Verehrer neu den Weg zu einer kleinen Kostbarkeit: ein Fresko, das die heilige Rita als junge Witwe zeigt und das bereits zu ihren Lebzeiten, anfang des 15. Jahrhunderts, in einer Wandnische entstanden ist. (...)
Wie aus dem Leben der heiligen Rita bekannt ist, bewirkte sie vor ihrem Klostereintritt die Versöhnung zwischen der Familie ihres ermordeten Mannes und der Familie des Mörders. Rita musste, um das Kloster eintreten zu können, eine öffentlich besiegelte Friedensurkunde vorweisen. Ihr Bemühen um Frieden und Versöhnung machte in der Öffentlichkeit so großen Eindruck, dass man ihr bereits zu Lebzeiten ein Denkmal setzen wollte. Mit dem Gemälde in der Franziskanerkirche wollte man die Gegenwart und die Zukunft zum Frieden und zur Versöhnungsbereitschaft mahnen.

Rita ist auf dem Fresko dargestellt im schwarzen Witwenkleid mit dem braunen Umhang und dem weißen Schleier. Auch die Stirnwunde ist deutlich zu sehen. Allerdings handelt es sich dabei um eine Ergänzung, da die Heilige diese erst 1442 empfangen hat. Dass sich die Gesamtheit des Freskos heute verändert hat, liegt an den dramatischen Zusammenhängen: Ursprünglich zeigte das Bild den Versöhnungsakt zwischen der Familie Fernandos und den Angehörigen des Mörders. Rita stand als Vermittlerin abseits. Lange nach Ritas Tod waren in Cascia erneute Kämpfe und Rivalitäten, Streitigkeiten und Unfrieden ausgebrochen. Viele Bewohner von Cascia konnten diese Machtkämpfe nicht begreifen - hier, in der Stadt der großen Friedensstifterin. Eines Nachs wurde die Versöhnungsszene von unbekannter Hand ausgemeißelt: Das Bild der heiligen Rita aber blieb unversehrt.
In einer späteren Zeit wurde die Nische durch eine andere Darstellung ausgemalt. Es war die Zeit der Renaissance. Die Darstellung der hl. Rita blieb erhalten.
(Schneider; Martin; Die hl. Rita von Cascia, Helferin in aussichtslosen Anliegen)

Fresko der hl. Rita von Cascia, 15. Jh, Franziskanerkirche Cascia

Cascia

Die Basilika der heiligen Rita in Cascia wurde auf Anregung der Äntissin Madre Maria Teresa Fasce (1881-1947) erbaut. Baubeginn war 1937. Am 22. Mai 1947 wurde die erste heilige Messe zelebriert. Papst Pius XII. hat die Kirche am 1. August 1955 zur Basilika erhoben.

Santuario di Santa Rita, Cascia

Rita von Cascia, geboren 1360 bei Cascia in Umbrien, wurde entgegen ihrem Wunsch jung zur Ehe mit einem Mann gezwungen, dessen Rohheit sie 18 Jahre mit größter Geduld ertrug. Als ihr Gatte ermordet wurde, schworen ihre beiden Söhne Blutrache, Rita betete, dass sie lieber sterben als zu Mördern werden sollten, – was auch tatsächlich geschah.
Rita trat nun im Alter von 33 Jahren in das Augustinerinnenkloster zu Cascia ein. Sie zeichnete sich durch strengste Abtötung und tiefe Liebe zum leidenden Erlöser aus. Dafür erfuhr sie mystische Gnadenerweise. Fünfzehn Jahre vor ihrem Tod empfing sie auf ihrem Kopf die Wundmale der Dornenkrone. Rita starb am 22. Mai 1434 zu Cascia, 1937 wurden ihre Reliquien in die neuerbaute Rita-Basilika übertragen. Rita ist nach dem hl. Antonius und dem seligen Padre Pio die populärste Heilige Italiens, sie wird außerdem besonders in Südamerika und auf den Philippinen verehrt.
(Martyrologium Sancrucense)




Ich setze eine Krone auf ihr Haupt
Als man 150 Jahre nach ihrem Tod, im Zuge des Seligsprechungsprozesses, 1627 ihren hölzernen Sarkophag öffnete, fand man ihren Körper unversehrt, und das, obwohl ungünstige Bedingungen geherrscht hatten und Holz weitaus mehr Luft und Feuchtigkeit einlässt als ein gemauerter Sarkophag. Nach der Umbettung in einen Glasschrein ging es richtig los: Die heilige Rita soll ihre Augen geöffnet haben, sie soll ihre Position mehrfach verändert haben, ja, sie soll sogar abgehoben sein in ihrem Schneewittchensarg und bis zum Deckel empor geschwebt sein. Die Aufzeichnungen von Zeugenaussagen dazu finden sich in den Archiven des Erzbistums Spoleto.

In letzter Zeit soll sich sich aber ruhig verhalten haben. Sie liegt heute in der linken Seitenkapelle der modern gestalteten Wallfahrtskirche aus den 1930er Jahren. Ihren Glassarg ummantelt ein prächtiger Schrein und goldene Engel bewachen ihn.
Seine eigenwillige Gestaltung erinnert an die Schlafkapsel eines Raumschiffes, in dem Astronauten der Zukunft ihre jahrhundertelangen Reisen durch den interstellaren Raum überbrücken. Nur, dass die heilige Rita nicht den Landeanflug erwartet, sondern die Wiederkunft des Herrn.
(Barbara Wenz, Poetische Pilgerorte, 188f)



Der unverweste Leichnam der hl. Rita von Cascia






Rita von Cascia empfängt einen Dorn der Dornenkrone Jesu,
Santuario di Santa Rita, Cascia


Eines Tages kam der berühmte Prediger Jakobus von der Mark, ein Schüler des heiligen Johannes Capistran, am Gründonnerstag nach Cascia. Bei diesem Vortrag über die Passion des Herrn war auch die gesamte Klostergemeinschaft der Augustinerinnen zugegegen. Aufs tiefste erschüttert, kehrte Rita aus der Kirche zurück und warf sich in der Nacht zum Karfreitag vor einem Bilde des Heilands nieder und flehte ihn an, ihr doch wenigstens einen kleinen Anteil an seinem Leiden zu geben. Da schien es ihr, als löse sich die Hand Christi vom Kreuz und fasse nach der Dornenkrone; ein Dorn entfuhr seiner Hand und grub sich wie ein Blitz so tief in Ritas Stirne, dass sie vor Schmerz das Bewusstsein verlor. Das Stigma der Stirnwunde blieb zeitlebens äußeres Zeichen ihrer Verbundenheit mit Christus. (Quelle)




Gott, unser Vater,
du hast deiner Dienerin Rita eine innige Liebe zum Gekreuzigten geschenkt.
Gib auch uns deine Kraft, unsere Leiden in Geduld zu tragen,
damit wir immer innigeren Anteil erhalten
am österlichen Geheimnis deines Sohnes, unseres Herrn, Jesus Christus.


Verherrlichung der hl. Rita von Cascia, Santuario di Santa Rita, Cascia




Der Morgen rötet sich und glüht,
der ganze Himmel tönt von Lob,
in Jubel jauchzt die Erde auf,
und klagend stöhnt die Unterwelt. 

Der starke, königliche Held
zerbrach des Todes schweren Bann.
Sein Fuß zertrat der Hölle Macht:
Aus harter Fron sind wir befreit. 

Er, den der Stein verschlossen hielt
und den man noch im Grab bewacht,
er steigt als Sieger aus dem Grab,
fährt auf in strahlendem Triumph.

Schon werden alle Klagen stumm,
in Freude wandelt sich der Schmerz,
denn auferstanden ist der Herr;
ein lichter Engel tut es kund.

Dem Herrn sei Preis und Herrlichkeit,
der aus dem Grabe auferstand,
dem Vater und dem Geist zugleich
durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.

Auferstehung, Glasfenster im Santuario di Santa Rita

Freitag, 19. Mai 2017

Dunstan von Canterbury

Dunstan von Canterbury, Our Lady and the English Martyrs Church, Cambridge
Die Zange als Attribut verweist auf die Begebenheit, bei der er dem Teufel mit der
Zange in die Nase zwickt.

Dunstan von Canterbury, Bischof. Dunstan wurde um 909 geboren, er wurde Mönch zu Glastonbury. Als Abt machte er sein Kloster zu einem Mittelpunkt religiöser und geistiger Reform. Unter König Edred erhielt er großen Einfluss auf die Staatsverwaltung, wurde jedoch 955 von dessen Nachfolger König Edwin verbannt.
Dunstan begab sich in die Abtei Sankt Peter zu Gent, wo er die Erneuerungsbewegung der Abtei Fleury kennenlernte. 957 von König Edgar zurückberufen, wurde Dunstan sogleich Bischof von Worcester, 958 von London und 960 Erzbischof von Canterbury. Nun wirkte er für die religiöse und sittliche Erneuerung der englischen Kirche und des Mönchtums im Geiste von Fleury. Er gründete als vorbildliche Reformklöster 966 Peterborough und 970 Ely. Dunstan starb am 19. Mai 988 und wurde in der Kathedrale von Canterbury bestattet. Heinrich VIII. ließ seine Reliquien vernichten.
(Martyrologium Sancrucense)

Mittwoch, 17. Mai 2017

Christus der wahre Weinstock




Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner.
Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
Bleibt in mir und ich in euch! Wie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, so auch ihr nicht, ihr bleibt denn in mir.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.
Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen.
Hierin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet.

(Evangelium vom Mittwoch der 5. Osterwoche, Johannes 15,1-8))
 

Im Weinstockgleichnis liegt gewiß zunächst eine wundersame Zusicherung: daß wir irgendwo eingewurzelt sind, bleibend und stärkend, daß wir nicht nach unserer Geburt Ausgesetzte sind, Vereinzelte, die keinen andern Halt haben als ihr fragwürdiges Selbst, daß wir auch nicht bloß Geschöpfe eines unfaßlichen Schöpfers sind, der uns wohl immer das Dasein geben und - solange es ihm gefällt - auch erhalten mag, daß wir vielmehr mit einem kraftgebenden und fruchtwirkenden Ursprung verbunden sind, aus dem heraus wir ein sinnvolles und nützliches Dasein leben können.

Aber die durch das ganze Evangelium hindurchgehende Aussage ist mehr als diese Zusicherung:
Sie ist aufgrund dieser letztern, die dringliche Forderung, in diesem Ursprung zu verharren:
"Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch."

Die Forderung ist so drängend, daß hinter ihr geradezu eine Drohung steht: wer nicht bleibt, verdorrt, wird abgeschnitten, verbrennt. Das erfolgt gleichsam naturhaft - wie das Gleichnis von Rebe und Stock zeigt -, aber es erfolgt auch personal, da Gott der Vater selbst für die Einheit des Sohnes mit seinen Zweigen oder Glieder besorgt ist.
Diese Einheit ist das zentrale Ereignis der Welt und ihrer Geschichte, und sie ist so eng, daß sie keine Halbwahrheiten duldet: entweder ist die Rebe am Weinstock oder sie ist davon getrennt. Das müssen wir beherzigen: "Ohne mich könnt ihr nichts tun" - soviel ihr auch aus euch heraus zu leisten meint.
(H. U. von Balthasar, Licht des Wortes, 170)

Apsismosaik der Lady Chapel, Westminster Cathedral, London
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